Flucht aus der Ukraine: Tierärztin rettet Haustiere

2023-02-22 16:47:12 By : Mr. Kenneth Chen

Für viele Menschen ist ihr Haustier erweiterter Familienstamm. Der Gedanke, den eigenen Hund oder die Katze verängstigt zurücklassen zu müssen, während man selbst die Heimat verlässt, scheint da unerträglich. Und tatsächlich sind auch viele Ukrainer:innen seit Anbeginn des Krieges zusammen mit ihren Haustieren auf der Flucht.

Das ist nicht immer unkompliziert, schließlich müssen auch mitgeschleppte Haustiere gefüttert und umsorgt werden. Und das, obwohl die Versorgungslage in vielen Gebieten des Landes eh schon prekär ist, wie Veronika Herasymenko im Interview mit watson sagt. Die Tierärztin musste ihren eigenen Hund zurücklassen, als sie mit ihrer Familie aus der Ukraine flüchtete.

Doch kurz hinter der polnischen Grenze beschloß sie zu bleiben und sich dort nützlich zu machen: Als Veterinärin für den "International Fund for Animal Welfare" (IFAW). Mehrere Tausend Haustiere versorgte sie seitdem in der umgebauten Bahnstation von Przemysl in Polen, zum Teil schob sie 24-Stunden-Arbeitsschichten. Denn hier gibt es eine Menge zu tun: Die Haustiere der ankommenden Geflüchteten aus der Ukraine werden hier registriert, geimpft, gechipt und ihr Gesundheitszustand untersucht.

Gegenüber watson erklärt Veronika, die inzwischen für den IFAW Rettungseinsätze in der Ukraine koordiniert, in einer kurzen Arbeitspause, welche Auswirkungen der Krieg nicht nur auf Menschen, sondern auch die Tiere hat.

watson: Wann hast du selbst die Ukraine verlassen?

Veronika Herasymenko: Meine Familie und ich flohen schon in den ersten Stunden des Krieges aus unserer Stadt. Wir wussten, dass wir umkommen würden, wenn die Stadt besetzt würde. Mein Ehemann war Militärpilot, das reduzierte unsere Chancen, eine etwaige Besetzung zu überleben.

Wie sah eure Flucht aus?

Wir fuhren vier Tage lang im Auto, um die polnische Grenze zu erreichen. Auf dem ganzen Weg waren die Supermärkte geschlossen und an den Tankstellen gab es kein Benzin mehr. Zweimal wurden wir sogar beschossen.

Hast du ein Haustier mitnehmen können?

Ich habe einen sehr alten Hund, der nun in unserem Haus in Charkiw lebt, zusammen mit einer Freundin von mir, deren Familie und deren Hund. Sie will den Krieg in Charkiw ausharren und ich unterstütze sie dabei mit Essen und Kleidung für ihre Familie und ihre Nachbarn.

Du hast beschlossen, an der polnischen Grenze zu bleiben, um ankommenden Tieren zu helfen. Wie kam es dazu?

Das weiß ich noch genau: Meine Familie und ich hielten uns noch im westlichen Teil der Ukraine auf, als ich eine Anzeige sah, dass an der Grenze Tierärzte gesucht werden. Ich wusste, dass ich dort gebraucht werde und so rief ich die angegebene Nummer an, ohne noch einmal groß darüber nachzudenken. Ich musste etwas tun, ich musste helfen.

Du versorgst jetzt die Haustiere der Geflüchteten. Welche Tiere nehmen die Menschen überhaupt mit?

Die Menschen haben vor allem kleine Katzen und Hunde bei der Flucht mitgenommen. Große Hunde sind leider sehr schwer zu transportieren und unterzubringen, daher sieht man diese nicht so oft...

Erinnerst du dich an eine Ankunft, die dir besonders naheging?

Was mich sehr berührte, war eine Familie aus Mariupol, die vor der Besatzung geflohen war. Es war so kalt, und sie kamen ohne echte Kleidung und Essen an, nur in Hausschuhen. Doch sie hatten einen Schuhkarton dabei, in dem ein ausgehungerter kleiner Welpe lag.

Diese Tiere werden auch unter Lebensgefahr nicht von ihren Besitzer:innen zurückgelassen. Wieso?

Was ihre Tiere den anderen Menschen bedeuten, ist schwierig zu beantworten. Für mich sind Tiere Freunde.

Wie sieht dein Arbeitsalltag derzeit aus?

Wir helfen viel in Tierheimen aus und auch in Tierkliniken. Das Hauptproblem ist, dass die Elektrizität, Wasserversorgung und Heizung oft ausfällt. Die Menschen und Tiere frieren. Ich muss ins Freie, wenn ich das mobile Internet nutzen will. An vielen Tagen arbeite ich drei bis vier Stunden am Tag im Freien.

Einige Tiere sind immer noch im Kriegsgebiet. Was ist mit denen?

Der Krieg hat Auswirkungen. Nicht nur auf die Menschen, sondern auch die Tiere. In einigen Teilen der Ukraine ist es sehr schwierig, an Tierfutter zu kommen, ganz besonders Pferdefutter. Es ist für ukrainische Tiere sehr wichtig, genug Futter, Impfungen und einen warmen Unterschlupf zu finden. Dafür benötigen wir Spendengelder.

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